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Nachberichte

Sommerakademie 2011

Gute Arbeit, gutes Leben!" war das Thema der Sommerakademie von 6. bis 8. Juli 2011 in Zwettl.

Frau balanciert auf Holzbalken
© dv76 - http://www.fotolia.com

Seit jeher beschäftigt uns Menschen die Frage nach einem „zufriedenstellenden“ Leben und dazu gehört auch eine „sinnstiftende“ Arbeit. Dass man sich frei für einen Beruf entscheiden kann, ist eine relativ junge Entwicklung und mit dieser Freiheit kommen auch Unsicherheiten: Woher weiß man, ob die Arbeit, die man tut, nützlich ist? Ist es wichtig einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen oder zählt das gesellschaftliche Ansehen? Wie muss Arbeit entlohnt werden, um damit zufrieden zu sein?

Bei der Sommerakademie 2011 haben sich im Hotel Schwarz Alm TeilnehmerInnen aus verschiedensten Bereichen mit diesen Fragen auseinandergesetzt um dem Geheimnis von guter Arbeit und gutem Leben auf die Spur zu kommen. Unterstützt wurden Sie dabei von hochkarätigen ReferentInnen bzw. ImpulsgeberInnen.

Dabei wurde deutlich, dass Tätig sein bzw. etwas Schaffen auf jeden Fall ein wichtiger Beitrag zu einem glücklichen Leben ist. Menschen, die handwerklich arbeiten und am Ende des Tages das Resultat betrachten können, weisen durchschnittlich eine höhere Zufriedenheit auf. „Die Stärke unserer Produkte ist die Begeisterung unserer ProduzentInnen. Bio-BäuerInnen arbeiten zwar hart, aber in Einklang mit der Natur und mit einem direkten Bezug zum Produkt. Die Förderung von bäuerlicher Arbeit ist daher unser wichtigstes Anliegen.“, erklärt Christian Löschenbrand von der Fa. Sonnentor.

Prof. Marianne Gronemeyer, Erziehungs- und Sozialwissenschafterin stellte ebenfalls die Eigenarbeit in den Mittelpunkt eines zufriedenen Lebens, denn Eigenarbeit minimiere die Abhängigkeit von Waren und Tätigkeiten, die wir kaufen müssen: „Nicht jeder EURO den wir nicht haben, aber jeder, den wir nicht brauchen, ist ein Zugewinn an Freiheit!“ Eine problematische Entwicklung ist laut Gronemeyer, dass sich diese Art von Tätigkeit aber ökonomisch nicht mehr rentiert. So ist die Wolle zum Stricken eines Pullovers meist teurer, als ein fertiger, modischer Pullover aus dem Kaufhaus.

Zukunft der Arbeit

Wie kann also eine befriedigende Arbeitssituation aussehen und welche Rahmenbedingungen brauchen wir dafür? Mag. Hans Holzinger von der Robert Jungk Bibliothek: „Ein nachhaltiger Wohlstand, braucht nachhaltige Lebensstile und weniger Ressourcenverbrauch. Das steht im Gegensatz zur derzeit vorherrschenden Ausrichtung der Wirtschaft, die auf Wachstum aufgebaut ist, das erst durch den Raubbau natürlicher Ressourcen und ein nicht-nachhaltiges Energiesystem ermöglicht wird.“ Ein mögliches Zukunftsszenario könnte laut Holzinger eine „Tätigkeitsgesellschaft“ sein, wo die Erwerbsarbeit zurückgeht und das Selber-Machen wieder an Bedeutung gewinnt. Aufgabe der Politik wäre es dafür entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen und BürgerInnen die freie Wahl zu lassen, ob sie verschiedene, soziale Tätigkeiten (z.B. Pflege- oder Erziehungsarbeit) auslagern oder lieber selber verrichten möchten. Möglich wäre dies durch neue Zeitpolitiken, die es Männern und Frauen ermöglichen in der Familienphase kürzer zu arbeiten, dafür beispielsweise im Alter länger (zumindest bis ins Normalpensionsalter oder darüber hinaus). Dabei würde die Wunscharbeitszeit (z.B. Flexibilisierung durch Arbeitskonten, ausgeweitete Karenzen, Sabbaticals, 30 Stunden-Wochen, etc.), die klassischen Voll- oder Teilzeitarbeitsmodelle ablösen.

Sepp Eisenriegler MBA, Geschäftsführer des Reparatur- und Service-Zentrums R.U.S.Z. sieht in der Sozialwirtschaft als neuen Wirtschaftssektor einen wesentlichen Beitrag zur Arbeit der Zukunft. Das R.U.S.Z. beschäftigt bis dato ausschließlich ehemals Langzeitsarbeitslose und Menschen mit Behinderung und bietet Produkte und Dienstleistungen an, die sozial schwächere dringend brauchen. Durch Reparatur und Verkauf von veralteten Elektrogeräten konnten so seit 1998 über 300 Menschen in unbefristete Dienstverhältnisse vermittelt werden. Gleichzeitig werden dadurch 1000 Tonnen problematische Abfälle vermieden. Damit sozialwirtschaftliche Betriebe langfristig existieren können, bräuchte es aber Regelungen dieses Wirtschaftsmodell abzusichern. Laut Eisenriegler könnte das zum Beispiel durch Ausgleichszahlungen von For-Profit-Unternehmen geschehen.

Damit Menschen sich am Arbeitsplatz wohl fühlen, braucht es auch einen ergonomischen Arbeitsplatz, spezielle MitarbeiterInnen-Programme, kreatives Arbeiten und eine gesunde und ökologische Ernährung, so lautet das Ergebnis aus den Impulsrunden. Zudem wurde intensiv an der Frage gearbeitet, wie „green jobs“ aus der Perspektive einer zukunftsfähigen Entwicklung zu bewerten sind und inwieweit sie dazu beitragen können, den Umweltverbrauch unserer Gesellschaft zu reduzieren.

Einen interessanten Abschluss lieferte die Psychotherapeutin Cornelia Seidl-Gevers, die für eine (Wieder)Entdeckung der spirituellen Ebene (= Weltbild) plädierte. Dabei geht es um die Auseinandersetzung mit Fragen wie „Wofür lebe ich und was ist der Sinn meiner Arbeit?“. Ein Ansatz der Zufriedenheit fängt dort laut Seidl-Gevers dort an, wo die soziale Ebene (Beziehungen, Arbeit, Image, Geld, etc.), die körperliche Ebene (Gesundheit, Körperempfinden) und die spirituelle Ebene in Balance sind und Menschen sich selbst treu bleiben, auch in einem unsicheren Umfeld.

ReferentInnen

  • Prof. Dr.in Marianne Gronemeyer, Erziehungs- und Sozialwissenschafterin, Buchautorin
  • Mag. Hans Holzinger, Robert Jungk Stiftung
  • Cornelia Seidl-Gevers, Psychotherapeutin und Supervisorin
  • Christian Löschenbrand, Fa. Sonnentor
  • Reinhard Herok, gugler* cross media
  • Mag.a Claudia Kinzel, Jugend-Umwelt-Plattform JUMP
  • Mag (FH) DI Markus Piringer, Ökobüro
  • Sepp Eisenriegler, MBA, Reparatur - & Servicezentrum R.U.S.Z.
  • Mag.a Julia Katzmann und Dr. Mark Nadjafi, beide "die umweltberatung"

Downloads

Programmfolder

Leben und leben lassen, Christian Löschenbrand (Sonnentor), HandoutPräsentation

Gute Arbeit, Reinhard Herok (gugler* cross media), Präsentation
Gutes Essen - gute Arbeit - Mag.a Julia Katzmann - Handout, Präsentation
Wie nachhaltig sind Green Jobs?, Mag. (FH) DI Markus Piringer (Ökobüro) und Mag.a Claudia Kinzl (JUMP), HandoutPräsentation

Kreatives Handwerk als Quelle der Schaffenskraft und Erfüllung, Dr. Mark Nadjafi, Handout

Wie arbeiten? Szenarien zur Zukunft der Arbeit im Kontext nachhaltiger Entwicklung, Mag. Hans Holzinger (Robert Jungk Bibliothek), Handout , Präsentation

Zukunftsfähige Arbeit im Reparatur- und Servicezentrum R.U.S.Z, Sepp Eisenriegler MBA (Gründer und Vorsitzender von R.U.S.Z.), HandoutPräsentation

Was macht Zufriedenheit in meiner Arbeit, in meinem Leben?, Cornelia Seidl-Gevers (Psychotherapeutin, Supervisorin), Handout

Weitere Informationen

Energie- und Umweltagentur NÖ (eNu)
Tel. 02742 219 19, umweltbildung@enu.at
Nähere Informationen zur eNu auf www.enu.at.